Das Jahr 2009 ist fast zu Ende und die Ruhe lädt zu Gedankenreisen ein. Diese sind Inspiration, doch das tatsächliche vor Ort sein und Erleben sind eine hochkonzentrierte Injektion “Bildung“. Genau der richtige Zeitpunkt das alte Jahr Revue passieren zu lassen und Pläne für 2010 zu schmieden.
Eine meiner Leidenschaften ist das Reisen, das ich immer mehr mit einer anderer Passion, dem Fotografieren, verbinde. Beruflich geht dies leider nicht immer, so wie ich es mir wünsche, aber zumindest eine kleine Kamera ist immer bei der Hand. Auch die Jahre davor waren spannende Reisejahre – so lernte ich einige neue Länder und Kulturen kennen. Durch mein MBA-Studium kam ich z. B. 2008 nach Russland, Hong Kong und Vietnam – eine spannende Zeit und ein ganz neuer Einblick in “fremde” Kulturen und Ökonomien.
Irgendwie hat mich das auch dieses Jahr inspiriert und Johann Wolfgang von Goethe bringt es auf den Punkt:
“Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“
Neben den schönsten Erfahrungen, einzigartigen kulinarischen Genüssen, den wunderbarsten Orten und Landschaften, frischen Kontakten und erhellenden Einsichten, hat mir jede Reise die Bildung mehrerer guter Bücher gebracht (nur um einen Vergleich zu ziehen).
Meine zwei großen Ziele 2009 waren China und der Iran (Persien). China einerseits, weil ich Asien, im besonderen Südost-Asien, als Reise- und Erkundungsziel sehr schätze, und andererseits, weil ich neben Hong Kong auch Mainland-China kennen lernen wollte. Ein erkennbarer kultureller Unterschied war feststellbar, natürlich davon abhängig in welcher Provinz man sich befindet. Eine ähnliche Erfahrung durfte ich in einem nicht minder interessantem Land machen – während meiner Reise in den Iran. Auch hier gibt es sichtbare regionale Unterschiede – vor allem zwischen Stadt und Land – und es ist alles ganz anders, als man zwangsläufig durch die Berichterstattungen und Stereotype meinen würde. Aber auch der Besuch des Max-Planck-Institutes in Jena (Institut für Ökonomik), war Bildung und Inspiration pur.
Die projektfreie Zeit ist ideal um alle Eindrücke nochmals Revue passieren zu lassen, die Fotos zu sortieren (dieses Jahr immerhin fast 10.000 Stück) und die Gedanken schweifen zu lassen – zurück an die Erlebnisse und Einblicke in China, Iran, Russland, Vietnam, Hong Kong, Indonesien und noch weiter zurück … aber vor allem auch nach Vorwärts.
Visited 27 states (12%) until 2010; Create your own visited map of The World
Douwe Osing bietet auf seiner Website ein kleines nettes Script an, mit dem man eine Weltkarte seiner besuchten Länder erstellen kannt. Ich nutze dieses kleine Gadget schon seit einiger Zeit zur Visualisierung. Meist merkt man erst dann, wie groß die Welt doch tatsächlich ist. Douwe’s Script zählt insgesamt 224 Länder, während die UNO 192 Mitgliedstaaten zählt. So habe ich dennoch auf drei Kontinente überhaupt noch keinen Fuß gesetzt (Südamerika, Afrika und Australien).
Bildungsreisen und die Grand Tour
In der Renaissance war es noch üblich, das die Söhne des europäischen Adels eine Bildungsreise, die Grand Tour, unternahmen. Später folgte das gehobene Bürgertum und unternahm Bildungsreisen, was heute potentiell jedem im Westen lebenden Menschen möglich wäre – damit meine ich aber keine Pauschal- oder Reisegruppenreisen, bei denen man in Gruppen bis zu 50 Personen durch die Sehenwürdigkeiten eines Landes durchgepeischt wird.
Die Reisen der jungen Adeligen, aber später auch des Bürgertums, stellten meist den Abschluss der Ausbildung dar. Sie sind nicht mit Maturareisen, Spring Break oder anderen Partyreisen zu verwechseln. Auch die Kunst des Reiseberichts bzw. Reisetagebuches fand dadurch seine Blüte, von der Antike bis in die Moderne. So berichtete Kaiser Franz Joseph I. von Österreich über seine Italienreise von 1819 – ein wichtiger kulturgeschichtlicher Beitrag über das Reisen.
So schreibt er in der Einleitung, selbst:
“Von Wien aus – durch Meine Staaten über Pontafel nach Venedig, sofort über Rovigo – nach den Päpstlichen Legationen – dann nach dem Großherzogtume Toskana, und dessen Hauptstadt Florenz – weiter nach dem Päpstlichen Staate, und dessen Hauptstadt Rom – sofort durch denselben nach dem Königreiche Neapel und dessen Hauptstadt und ihren Umgebungen – und so wieder zurück mit etwas veränderter Reiseroute bis nach Schönbrunn.”
Stefan Zweig erzählt wiederum über einen Lebensstil in einem offenen Europa der Vorkriegszeit, einem Europa der europäischen Bildungsschicht, in seinem letzten und meiner Meinung nach bestem Werk – “Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers.” – ein hervorragendes Dokument europäischer Zeitgeschichte. Reisen war auch hier für das Bürgertum selbstverständlich und ein offenes Europa bereits existent und somit ein Sommer in Frankreich oder England Realität. Ein Faktum das politische Realitäten wenig später zunichte gemacht haben und Stefan Zweig in das Exil in Südamerika getrieben haben.
Die Grand Tours dienten nicht nur dem Spracherwerb sondern vor allem auch dem Erlangen besserer Manieren und der allgemeinen Gewandtheit. Fähigkeiten, die man sicherlich nicht durch das aktuelle Fernsehprogramm erwerben kann. Hier bieten aber auch kleine Reisen, z. B. in Europa, wunderbare Möglichkeiten.
Betrachtet man auch die Epochen der großen Forscher und Entdecker, wie Marco Polo, Kolumbus, Humboldt, Magellan … so schafft Reisen nicht nur Bildung sondern auch Wissen. Selbst in den Megametropolen der Gegenwart ist dies noch möglich, wie auch in den entferntesten Regionen dieser Welt. Dies zeigt z. B. das National Geographic Magazine regelmässig.
Inspiration für 2010
Und schon kommen mir die ersten Ideen und Gedanken für das Jahr 2010. Ein Reiseziel konnte ich bereits terminlich fixieren. So ist Indien nächstes Jahr ein Fixstarter. Womit mir eigentlich unter den BRIC-Staaten nur noch Brasilien fehlt, aber leider noch acht Staaten der “Next Eleven“. Weitere Reiseziele sind bereits in Diskussion und formen sich gerade aus dem Nebel der Möglichkeiten langsam heraus. Eine meiner momentanen Inspirationsquellen dazu ist ein Roman von Ilija Trojanow. Im “Der Weltensammler“ erzählt er die Geschichte des englischen Entdeckers Richard Burton und seiner “fiktiven” Reisen nach Indien, Arabien und Afrika.
Wie es aussieht wird auch 2010 ein spannendes Jahr zum Reisen, Photographieren, um sich zu bilden und Wissen zu erzeugen!




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