Was zeichnet echtes Unternehmertum aus und was braucht es für eine neu erstarkende Unternehmer-Kultur? Genau zu dieser Frage und zum gemeinsamen Weiterdenken ruft Mehrblick in einer Blogparade auf! Gibt es ein unechtes Unternehmertum und warum eine neue Unternehmer-Kultur, frage ich mich? Unternehmertum oder Entrepreneurship mag zu einem Modethema geworden sein, dass durch zahlreiche schillernde Stories, vor allem aus dem Web-Startup-Bereich, und Miraden von Startup- und Gründungsberatern genährt wird. Vielleicht kommt die Verwirrung auch von selbsternannten Entrepreneurs und ihren Beratern.
Unternehmertum oder Entrepreneurship?
Die eindeutigste Definition, wer echter Unternehmer ist, liefert aus Sicht der Gesetzgeber das Steuerrecht und das Unternehmergesetzbuch (UGB) in Österreich bzw. das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Deutschland.
Das österreichische Recht hat in seiner Novelle im Jahr 2007 den Begriff “Kaufmann” durch “Unternehmer” ersetzt. Jetzt heißt es: “Unternehmer ist, wer ein Unternehmen betreibt” (§ 1 Abs. 1 UGB) und: “Ein Unternehmen ist jede auf Dauer angelegte Organisation selbständiger wirtschaftlicher Tätigkeit, mag sie auch nicht auf Gewinn gerichtet sein” (§ 1 Abs. 2 UGB).
Eine sprachliche Unterscheidung gibt es jedoch nach wie vor. Während im deutschsprachigen Teil der Welt “Unternehmertum” und “Unternehmer” gebräuchliche Begriffe sind, so kann man ihnen nicht automatisch die Begriffe “Entrepreneurship” und “Entrepreneur”, welche im angelsächsischen Raum die gebräuchlichen Begriffe sind, gleichsetzen. Eine einfache Übersetzung in beide Richtungen trifft dabei nicht den Kern der Sache. Denn Unternehmer haben mit Entrepreneuren nur wenig gemeinsam, auch wenn “Entrepreneure” manchmal als Untermenge des Oberbegriffs “Unternehmer” betrachtet werden. Demnach muss nicht jeder Entrepreneur automatisch ein Unternehmer sein, aber jede Unternehmer sollte zumindest auch ein Entrepreneur sein. Das parallele bestehen dieser Begriffe hat daher durchwegs seine Existenzberechtigung.
(Echten) Unternehmern werden auch immer wieder drei Funktionen zugeordnet: (1) Sie begründen und halten ein Eigentum an einem Unternehmen, (2) leiten dieses und (3) innovieren es, indem sie überlegen, wie sie es weiterentwickeln können. Entrepreneure dagegen halten nicht zwingend ein Eigentum an einem Unternehmen, leiten es auch nicht unbedingt – das ist nur zu Beginn meist unumgänglich.
Warum sollte jedoch zumindest jeder echter Unternehmer auch ein Stück von einem Entrepreneur haben? Ganz einfach, nach der Denke der “europäischen Schule” geht es offenbar beim Unternehmertum hauptsächlich um Techniken und Methoden (Betriebswirtschaft), während der Entrepreneurship-Gedanke auch auch eine Denk-Haltung ist – der Wille die Welt zu verändern.
Explore. Dream. Discover.
– Mark Twain, schreibender Mississippi-Bewohner.
Eine emotionalere Analyse – Nachmacher und Mut.Macher!
In früheren Beiträgen habe ich viel darüber geschrieben, dass die Unternehmer und die Entrepreneure die Macher sind. Diejenigen, die Ideen nicht nur finden, sondern Möglichkeiten schaffen und einfach tun, ganz nach dem Motto: “Just Do it!”. Heute gibt es eine Unzahl an Angeboten, die ich mir während meiner Schul- und Studienzeit gewunschen hätte, wo man sich unbedarft und mit dem nötigen Spieltrieb unternehmerischen Gedankenexperimenten aussetzen kann. Jedoch bezweilfe ich, dass dies viel mehr Unternehmer hervorbringen wird und ich glaube auch nicht, dass ein Steve Jobs oder Richard Branson von solchen Angeboten sehr profitiert hätten.
Heute scheint es auch viel mehr um das Imitieren und das unreflektierte Nachmachen zu gehen, anstatt um das tatsächlich anders machen, um sein Ding durchzuziehen. So las ich vor kurzem in einem Startup-Profil – ich erinnere mich nicht mehr an dessen Namen -, dass man das Amazon des Weins werden möchte. Ist das ein Traum oder nur ein Versuch an Startup-Geld zu kommen um rasch zu skalieren und eine wundersame Geldvermehrungskette in Gang zu setzen, die da lautet: Mach eine Exit-Strategie, in der Du in drei Jahren dein Unternehmen verkaufst – Dein Ausstieg auf die Insel sozusagen. Es folgt: Verkaufe das Unternehmen an den Dümmsten, was meist der letzte Käufer eines solchen ist. Wie inspirierend, nachhaltig und wie weit weg ist dass von einem authentischen Traum, den ein Unternehmer oder auch ein Entrepreneur umsetzen möchte!? Wie würde es klingen, wenn man lesen könnte: Wir wollen den Menschen die weltgrößte Anzahl an gutem Wein näher bringen und leicht zugänglich machen.”?
Echtes Unternehmertum wird allerdings nicht von Nachmachern, sondern von Machern, gelebt, die authentische und ehrlich das Schaffen eines Produktes oder einer Dienstleistung im Fokus haben, welche sie am liebsten selbst jeden Tag nutzen möchten.
Für mich steht bei echten Unternehmern daher nicht unbedingt der Besitz einer Organisation nach einer bestimmten Gesellschaftsform im Vordergrund – ein Unternehmen ist für mich kein Selbstzweck. Sondern der Traum und Wille ein exzellentes Produkt oder Dienstleistung zu schaffen, weiterzuentwickeln und seinen Kunden anzubieten – ein Unternehmen ist für mich kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Zusätzlich ist echtes Unternehmertum noch einen Schritt weiter, denn es geht nicht mehr rein um die Geisteshaltung, um das Träumen, um einen Willen oder um das schlichte Tun. Nein, echte Unternehmer haben bereits getan und das kommt der Wahrheit wesentlich näher, als es uns die Pop-Kultur der Web-Startup-Szene und deren Berichterstatter und Berater weiß machen möchte, oder auch weiter als der Wille des Gesetzgebers.
Eine interessante Frage wirft für mich auch Hannes Offenbacher in seinem Beitrag “Zündeln” auf, in dem er die Bewegung von Unten fordert: Die Unternehmertalks von jungen Menschen organisiert. Eine schöne und vor allem eine ehrlichere und erdigere Idee, als manch organisierter Managertalk über Unternehmertum.
Wenn man an die eigenen Kinder denkt, werden diese in einer Welt größerer Unsicherheit und Ungewissheit groß, mit einem härteren Wettbewerb und einem größerem Sog zum Verzicht, als wir und unsere Eltern es in unserer Kindheit zumeist erlebt haben. Neben unserer Liebe können wir Ihnen keinen sicheren Lebensjob, keine sichere Pension, keine exzellente umfassende Ausbildung … garantieren – das mag vielleicht nicht mal mehr für uns gelten. Auch sind in einer solchen Welt unsere Erfahrungen nur beschränkt erfolgreich wiederholbar. Gerade dafür benötigt es Mut.Macher um unseren Kindern zu zeigen, es geht auch anders!
Deshalb ist eine “Bewegung von Unten” ein wichtiger Bestandteil einer erstarkenden und nachhaltigeren unternehmerischen Kultur und Gesellschaft. Von Politik und Interessensvertretungen brauchen wir uns hier nicht viel zu erwarten und auch von dem protestbereiten Wutbürger bis zu dem möglicherweise aufstehenden Mutbürger nicht. Neben Katalysatoren benötigt es die Mut.Macher - denjenigen, die es tatsächlich bereits tun und getan haben. Diejenigen die aktuell an unternehmerischen Gelegenheiten arbeiten, erfolgreich Unternehmen gegründet und aufgebaut haben – also denjenigen, die sich für solche Unternehmertalks zur Verfügung stellen und tatsächliche etwas relevantes zu fragen bzw. etwas zu sagen haben. Die aber vor allem den echten Unternehmern der nächsten Jahrzehnte den mut.machen etwas ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und etwas zu machen, was ihnen am Herz liegt und was ihnen ein Leben jenseits des reinen Selbständig seins (EPU-Dasein) ermöglicht.
Ein inspirierender Kaufmann und Mittelständer
Zum Abschluss möchte ich einen mittelständigen Kaufmann und Unternehmer vorstellen – einen dieser Mut.Macher und die es bereits getan haben und dabei keine affektierten Starallüren an den Tag legen, sondern einen gesunden Hausverstand, Authentizität und die Liebe zu Qualität und Stil.
Vor Jahren kam ich durch einen Freund in Kontakt mit Erich Hartmann, ein wunderbarer Brillenmacher und Kunsthandwerker. Bei seinen Brillenkreationen setzt er auf grundsolide Handwerkskunst verbunden mit modernster Technik bei der Brillenanpassung und -fertigung. Neben Markenfassungen, die individuell an den jeweiligen Träger angepasst werden, ist jede zweite verkaufte Brille aus eigener Produktion. Dabei verlässt sich der Optikermeister auf das Naturprodukt Horn – je nach Farbton vom Büffel oder Ochsen. Die daraus entstehenden Fassungen entstehen aus eigenen Entwürfen oder direkt nach Kundenwunsch. Die Verwendung und Kombination der Materialien mit Seide erlaubt eine reiche Artenvielfalt. Bei Erich Hartmann gibt es nicht nur einfach die Brille von der Stange, sondern handgefertigtes Sehen!
Wer die Werkstätte für handgefertigtes Sehen in der Singerstraße 8 betritt, erkennt sofort, hier wird größter Wert auf Qualität und Stil gelegt. Bei „Hartmann – Wien“ sind Erich Hartmann und sein Team darauf bedacht jedem Kunden das beste Seherlebnis zu bescheren. Wenn der Kunde das erste Mal oder vorher andernorts schon eine Brille verpasst bekommen hat, wird er nun ein unmittelbares Wohlgefühl bei der Brillenanpassung nach Maß erleben.
Erich Hartmann hat eine interessante Inspirationsquelle:
Am meisten Inspiration hole ich mir von den zigtausend Augen, die ich schon sehen durfte.
– Erich Hartmann, Brillenmacher und Kunsthandwerker.
Weitere passende Artikel:




[...] Unternehmer.tun (Marcus Ambrosch) [...]